Wie macht das Mikrobiom Mensch und Tier gesünder?

Ein gesundes Mikrobiom bedeutet mehr als eine funktionierende Verdauung: Es unterstützt die Nährstoffaufnahme, stabilisiert die Darmbarriere und sorgt für eine angemes- sene Immunreaktion. Beim Menschen gilt der Darm als gesund, wenn diese Prozesse im Gleichgewicht sind.In Hohenheim erforschen wir das Zusammenspiel von Mikrobiom, Darmfunktion, Immunsystem, Ernährung und Genetik, um Gesundheit ganzheitlich zu verstehen und nachhaltige Lebensmittelsysteme zu entwickeln.

MIKROBIOM UND GESUNDHEIT

Ein ausgewogenes Mikrobiom unterstützt die Verdauung, stärkt die Darmbarriere und schützt vor Erkrankungen. Wir untersuchen, wie nützliche Darmbakterien mit der Darmwand interagieren und welche Rolle Mikroorganismen spielen, die je nach Umfeld harmlos oder krankmachend sein können. Ziel ist ein stabiles Gleichgewicht, das Gesundheit fördert und den Einsatz von Medikamenten reduziert.

MIKROBIOM UND GENOM

Bei Menschen und Tieren beeinflusst das Erbgut, wie sich das Mikrobiom entwickelt und funktioniert. Wir identifizieren genetische Schaltstellen", die ein stabiles Darmökosystem begünstigen und damit Gesundheit, Futterverwertung und Leistungsfähigkeit unterstützen.

MIKROBIOM UND ERNÄHRUNG

Ernährung ist einer der wichtigsten Hebel für die Darmgesundheit - bei Mensch und Tier. Sie beeinflusst Mikrobiom, Stoffwechsel und Immunsystem gleichzeitig. Wir erforschen, wie unterschiedliche Futterrationen bei Wiederkäuern und Nichtwiederkäuern Mikrobiom, Stoffwechsel und Emissionen wie Methan beeinflussen. Ziel ist es, die Gesundheit zu stärken und Umweltwirkungen zu reduzieren.

Essentiell für die Gesundheit

1. Mikrobiom beim Nutztier

2. Mikrobiom beim Mensch

3. Darmgesundheit bei Mensch und Tier

Die Forschung zur Darmgesundheit bei Mensch und Tier sollte zusammen erfolgen, da viele Grundlagen gleich sind: Mikrobiom, Darmbarriere, Immunsystem, Ernährung und Genetik wirken bei beiden ähnlich.Tierstudien helfen, Prozesse beim Menschen besser zu verstehen - und umgekehrt liefern Humanstudien wichtige Hinweise für die Tierforschung. Da Mensch und Tier auch Umwelt und Bakterien teilen, ist der gemeinsame Blick besonders wichtig.Ein One-Health-Ansatz verbindet beide Bereiche und hilft, Gesundheit, Tierwohl, Ernährung und Umweltschutz gemeinsam zu verbessern.

1. Sojaextraktionsschrot

2. Geflügelfutter

3. Mais

4. Pferdefutter aus Grasprotein

5. HoLMiR – Darmforschung bei Tieren

Das Hohenheim Center for Livestock Microbiome Research (HoLMiR) an der Universität Hohenheim ist ein Forschungszentrum, das untersucht, wie Nutztiere und ihre Darmmikroben zusammenwirken und welche Auswirkungen das auf Gesundheit, Ernährung und Umwelt hat. In Hightech Laboren und Tieranlagen erforschen Fachleute aus verschiedenen Disziplinen, wie das Mikrobiom die Tiergesundheit beeinflusst, wie Futter darauf wirkt und wie Tierhaltung nachhaltiger gestaltet werden kann. Ziel von HoLMiR ist es, Krankheiten besser zu verstehen, den Einsatz von Antibiotika zu verringern und die Tierhaltung umweltfreundlicher zu machen – für gesunde Tiere, hochwertige Lebensmittel und mehr Klimaschutz.

Zu "Darmgesundheit" gehört nicht nur, dass Messwerte normal sind, sondern auch, dass wir uns gut fühlen: keine anhaltenden Schmerzen, kein häufiges Sodbrennen, keine dauerhafte Verstopfung oder Durchfälle, die unseren Alltag oder unsere Lebensqualität stören.

Ein großer Teil unseres Immunsystems sitzt in der Darmwand. Es muss zwei Dinge gleichzeitig tun: harmloses (z.B. Essen, nützliche Bakterien) tolerieren und echte Erreger bekämpfen. Gelingt diese Balance nicht, können Allergien, chronische Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen entstehen.

Der Darm zerkleinert unser Essen, mischt es mit Verdauungssäften und nimmt Wasser und Nährstoffe auf. Wenn dieser Ablauf gut funktioniert, ist der Körper gut versorgt und wir haben normalerweise einen regelmäßigen Stuhlgang ohne Schmerzen oder starke Durchfälle.

Spezielle Darmzellen bilden Hormone, die Hunger, Sättigung, Blutzucker und die Darmbewegung steuern. Der Darm steht außerdem über Nerven und Botenstoffe in ständigem Kontakt mit dem Gehirn - Stress kann so den Darm beeinflussen, und umgekehrt kann ein kranker Darm unsere Stimmung beeinträchtigen.

Im Darm leben Milliarden von Mikroorganismen, die mitessen, Nährstoffe abbauen und Stoffe produzieren, die die Darmzellen und das Immunsystem positiv beeinflussen können. Man spricht von "Dysbiose", wenn dieses Gleichgewicht gestört ist; das wird mit Magen‑Darm-Erkrankungen, aber auch mit anderen Krankheiten in Verbindung gebracht.

Die Darmwand ist wie ein fein einstellbarer Filter: Sie lässt Nährstoffe durch, hält aber Krankheitserreger und Giftstoffe zurück. Dazu gehören eine Schleimschicht, feste Verbindungen zwischen den Zellen und Abwehrstoffe wie bestimmte Eiweiße und Antikörper. Wird diese Barriere gestört, können Entzündungen entstehen, die mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung stehen.

Ein internationales Expertengremium, an dem auch Prof. Stephan C. Bischoff von der Universität Hohenheim beteiligt ist, hat erstmals eine einheitliche Definition von "Darmgesundheit" entwickelt. Dabei zählt nicht nur die Laboranalyse, sondern auch das persönliche Wohlbefinden.

Darmgesundheit umfasst sechs Bereiche:

- Gute Verdauung und Nährstoffaufnahme,

- eine intakte Darmbarriere und Abwehr,

- ein ausgewogenes Mikrobiom,

- ein funktionierendes Immunsystem,

- eine stabile Hormon- & Signalübertragung zum Gehirn, sowie

- subjektives Wohlbefinden.